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Unternehmensverkauf: Diskretion ist ein Muss

Diese Woche besuchte ich einen führenden Hersteller von tiefgekühlten Fischmenüs: Umsatz 50 Mio. €. Der Seniorchef (76) brachte das Gespräch schon zu Beginn auf den Punkt und stellte fest: „Natürlich würde ich mein Unternehmen gern verkaufen, aber das Risiko, dass Wettbewerber, Lieferanten, Kunden oder die Mitarbeiter von meiner Verkaufsabsicht erfahren, gehe ich nicht ein“.

Kein überraschendes Argument gegen die Vergabe eines Verkaufsauftrags an einen M&A-Berater. In der täglichen Praxis hören wir dies immer häufiger. Nahezu alle Gesellschafter von Familienunternehmen im Small und Mid Cap-Sektor befürchten das Risiko eines Diskretionsbruchs. Besteht tatsächlich ein solches Risiko trotz der seit Jahren geübten Prozesse und üblichen Vertraulichkeitserklärungen? Und wie muss man die Projekte gestalten, um eine hohe Vertraulichkeit sicherzustellen?

Die Anzahl der Verkäufe von Familienunternehmen ist zur Zeit nicht sehr hoch. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Gründen, etwa die Frage nach der Wiederanlage des Kauferlöses oder die beschränkte Kaufpreisflexibilität von Finanzinvestoren in Zeiten zurückhaltender Finanzierungen.

Ein weiteres Argument, welches zunehmend für die Zurückhaltung der Unternehmer an Bedeutung gewinnt, ist die Sorge vor einem Bruch der Vertraulichkeit, den damit verbundenen Reputationsschäden und konkreten wirtschaftlichen Belastungen für die Unternehmen. Als Berater bei M&A-Transaktionen müssen wir feststellen, dass diese Furcht nicht ganz unbegründet ist, denn es wird immer schwieriger, Veräußerungsprozesse über alle Phasen des Verkaufsprozesses geheim zu halten. Zunehmend hat sich bei den großen Beratungsgesellschaften und Kapitalgebern (insbesondere bei Banken und internationalen Private Equity Fonds) das Gefühl durchgesetzt, die Verbreitung der Information über einzelne Verkaufsmandate erhöht die Transaktionswahrscheinlichkeit und ist damit im Interesse aller Beteiligten. Diese Einschätzung ist für einige Fälle wohl richtig, insbesondere dann, wenn die Veräußerung durch Private Equity Gesellschaften erfolgt und die Transaktion damit weder überraschend noch für ein Unternehmen nachhaltig belastend ist (jedenfalls dann nicht, wenn sich die Transaktion nicht derartig in die Länge zieht, dass die Qualität des Targets in Frage gestellt wird)... [mehr]

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