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Eine Frage der Ehre

Sehr geehrte Damen und Herren,

Heinz Jäger vor ein paar Tagen war ich mit dem Geschäftsführer eines Hamburger Private Equity-Hauses in einem italienischen Restaurant im Frankfurter Bankenviertel zum Imbiss verabredet. Beim Blick ins Freie sahen wir den vor sich hin tröpfelten Autoverkehr. Am Himmel von Mainhattan war dagegen die Hölle los: Helikopter flogen im Minutentakt. Freie Straßen, Stau in der Luft. Ein echter Wirtschaftsführer braucht eben seinen Heli und / oder vielleicht sogar seinen Privatjet.

Zu der Kategorie der immer eiligen und eitlen Manager gehört auch der 2007 von der Universität Bayreuth mit dem „Vorbildpreis“ ausgezeichnete Dr. Thomas Middelhoff. Er benötigte einen Helikopter um die Staus am Kamener Kreuz zu umgehen. Der tiefe Fall dieses ehemaligen deutschen Super-Managers bewegt die Gemüter: Der pubertierende Ex-Vorstandsvorsitzende der deutschen Konzerne Bertelsmann und Arcandor wurde von einem Strafgericht zu einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren verurteilt. Der neidische Pöbel jubelt und fordert strengere Compliance-Regeln.

Jede Sache hat Vor- und Nachteile, das gilt auch für das Thema "Compliance". Dieser Begriff, für den es in vielen Sprachen - so z. B. auch im Deutschen - gar keine saubere Entsprechung gibt (am ehesten wäre es mit "Einhaltung der Verhaltensregeln" zu übersetzen), begegnet uns in jüngerer Zeit immer häufiger. Es geht hier um die Befolgung von speziellen Regelwerken durch Unternehmen bzw. die Mitarbeiter der Unternehmen sowie Beamte und Politiker und Funktionäre von Organisationen.

Das Ziel dieser Regeln besteht darin, saubere wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Vor allem jede Form von Korruption soll verhindert werden - Bestechung darf weder zur Erlangung von Aufträgen eingesetzt werden, noch dürfen Einkäufer von Unternehmen von potenziellen Zulieferern Vergünstigungen annehmen. Ärzte dürfen nicht zu Verkaufsabteilungen der Pharmaindustrie werden, Pensionskassenmanager sollen Fondslieferanten nicht deshalb auswählen, weil sie dafür in irgendeiner Form belohnt werden etc.

Compliance beschäftigt sich aber nicht nur mit Korruption, sondern mit allen anderen Formen des systematischen Fehlverhaltens, die das reibungslose Funktionieren der Marktwirtschaft beeinträchtigen - etwa Preisabsprachen in der Industrie oder Verletzungen der Steuergesetze oder der Datenschutz-Regeln. Das Konzept selbst ist nicht neu. Begriffe wie "Handschlagqualität" und "Kaufmannsehre" sind Zeugnis für eine uralte Tradition unternehmerischen Verhaltens, das zwar einerseits auf einer tieferen - durchaus auch religiös begründeten - Moral basiert, andererseits aber durchaus auch der Sache selbst dient. Denn im Kern geht es um Vertrauensgewinn und -erhalt. Vertrauen ist ein realer Wert. Wer zeigt, dass er nachhaltig vertrauenswürdig ist, genießt einen beträchtlichen Wettbewerbsvorteil - nur deshalb sind "Marken" so wertvoll.

Das modernere Compliance-Konzept folgt im Grunde derselben Idee, denn obwohl auch hier die "Moral" eine Rolle spielt, geht es aus Sicht der Unternehmen doch primär darum, Probleme zu vermeiden. Egal, ob man von den eigenen Einkaufsmanagern betrogen wird, vor dem Kartellrichter landet oder in einen Fall wegen Beamtenbestechung verwickelt wird, nichts davon ist erstrebenswert.

Der aktuelle Compliance-Trend ist aber auch eine Reaktion auf Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, in denen die Globalisierung und Liberalisierung der Weltwirtschaft auch etliche Fehltriebe wuchern ließ, an deren "Beschneidung" wir noch Jahre lang arbeiten werden. In einer Gesellschaft mit immer weniger inneren Werten (wie z. B. Respekt, Ehre, Pflichten usw.), wachsender Anonymität und ständig stärkerer Fokussierung auf das Ego ist die Begrenzung des menschlichen Handelns durch Compliance-Regelungen faktisch nicht möglich. Trotzdem sind Verhaltensregeln in einer Welt des Egoismus richtig und gut. So sollten die Eltern bereits bei Erziehung der Kinder moralische Werte vermitteln - eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht nur die Kinder sollten diese Regeln lernen, auch die Erwachsenen und insbesondere die Wirtschaftsführer sollten eine stärkere Werteorientierung erfahren. Alle Mitglieder unserer Gesellschaft sollten wissen, was richtig oder falsch ist. Wer sich nicht an die Wertevorgaben hält, wird geächtet - er verliert das Vertrauen und wird ggf. zu Schadensersatz herangezogen. Aber das Strafgesetz sollten wir m. E. beim Thema „Mehr Moral in der Wirtschaft“ nur in Ausnahmefällen in Ansatz bringen. Das Zivilrecht aber auch gesellschaftlicher Druck bieten ausreichend Möglichkeiten der Sanktionierung.

In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten und den Beginn des Neuen Jahres. Nutzen wir diese Zeit zur Besinnung. Diskutieren wir in unserer Familie die individuellen Wertevorstellungen. Und lassen Sie mich weiter ein wenig von der guten, alten „Kaufmannsehre“ träumen.

Ich wünsche Ihnen fröhliche Feiertage im Kreise Ihrer Lieben. Für das Jahr 2015 erhoffe ich für uns alle Gesundheit, Frieden und viele erfolgreiche „Handschlaggeschäfte“.

Herzlichst

Ihr

Tobias Kemmerer
Heinz Jäger


Ausgewählte M&A-Opportunities

Kauf
Food

Spanisches Familienunternehmen sucht Hersteller von Fruchtzubereitungen für die Industrie, Gemüsekonserven, kandierte Früchte, Tomatensoßen mit einem Umsatz über 15 Mio. € zur weiteren Expansion.
Projekt 173072

 

Deutscher Markenhersteller von Würstchen und Fertiggerichten sucht Übernahmemöglichkeiten; hoher Exportanteil. Top Qualität. Zielgebiet: Europa; Umsatz: ab 25 Mio. €.
Projekt 64856

 

Hersteller von Lebensmittel für den Absatzkanal Reformhäuser im deutschsprachigen Raum mit einer Umsatzgröße ab 10 Mio. € von schweizerischen Marktführer mit Schwerpunkt natürlicher Produkte, wie z. B. Getreidekaffee, Müsli-Riegel-Snacks, Getreide-Saat-Hülsenfrüchte, Suppen, Würzen, Fertiggerichte usw. gesucht.
Projekt 172424

 

Lebensmittelproduzent sucht Akquisitionsmöglichkeiten im Bereich von Backwaren/Gebäck (frisch und TK) mit einem Jahresumsatz von mindestens 15 Mio. € in Europa.
Projekt 173534

 

Südeuropäischer Lebensmittelhersteller sucht Beteiligungsmöglichkeiten im Bereich von Tiefkühl-Produkten (insb. Fingerfood, Tex Mex, asiatische Snacks, Lasagne, Cannelloni, Suppen, Fleisch- und Fischgerichte, Pizzen, Desserts) in Europa.
Projekt 173371

 

Erfolgreiche deutsche Food-Marke mit Kultstatus sucht Zukäufe zwecks Sortimentserweiterung in den Segmenten Genussmittel, Süßwaren und Snacks. Umsatz: ab 20 Mio. €, profitabel.
Projekt 172575

 

Westeuropäischer Marktführer im Bereich tiefgefrorene Kräuter (auch Bio) sucht Akquisitionsmöglichkeiten in Amerika, Europa und Asien.
Projekt 171442

 

Deutscher Hersteller tiefgefrorener Fischmenüs sucht Übernehmer. Umsatz: über 30 Mio. €, 65 Mitarbeiter, EBITDA-Marge: über 6 %.
Projekt 88891

 

Westeuropäischer Seafood Importeur und Distributeur sucht Beteiligung / Übernahme. Targets: Seafood Großhändler mit Standort Deutschland mit einem Umsatz von 10 – 100 Mio. € und guter Ertragslage.
Projekt 96305

 

Mitteleuropäischer Geflügelverarbeiter sucht strategischen Partner. Produkte: Poultry sausages, pate, hams, convenience products (turkey and chicken nuggets, meatballs, chicken breast cooked and roasted, breaded poultry products, hamburgers). Umsatz: 26 Mio. €, 230 Beschäftigte.
Projekt 45804

 
Branchenübergreifend

Deutsche Kapitalbeteiligungsgesellschaft sucht profitable Unternehmen mit etablierter Marktposition mit bis zu 250 Mio. € Jahresumsatz, einem erfahrenen Management und Sitz im deutschsprachigen Raum zum Erwerb einer Minderheits- oder Mehrheitsbeteiligung. Ziel ist die langfristige Weiterentwicklung des Partnerunternehmens.
Projekt 96787

 
IT

Mittelständisches IT-Systemhaus sucht Übernahmemöglichkeiten in den Räumen Augsburg, Ulm, Heidenheim, Günzburg, Neuburg, Ingolstadt. Leistungspalette: Storage, Microsoftserver, Exchange, Hardware FSC und HP, Firewall Cisco / Linux sowie Vertrieb / Service Kopiersysteme. Umsatz: bis ca. 15 Mio. €, Mitarbeiter: bis ca. 30.
Projekt 5143

 

Süddeutsches Family Office sucht Mehrheitsbeteiligungen an IT-Nischen-Anbieter.
Projekt 57463

 
Handel

Food Service-Betriebe (Großverbraucher-Zustellgroßhandel) in Deutschland gesucht; Umsatz: ab 20 Mio. €; gute Ertragslage;
Projekt 90336

 
Verkauf
Food

Mitteleuropäischer Hersteller von Wraps, salzigen Snacks (Brezeln etc.), Süßwaren-Dekorationen und Dessertsaucen mit mehr als 20 Mio. € und überdurchschnittlicher Rentabilität (EBIT-Marge nachhaltig ca. 20 %) ist offen für strategische Investoren.
Projekt 172334

 

Stark wachsender indischer Anbieter von „Frozen Yogurt“ mit rund 50 Outlets, etwa 2 Mio. € Umsatz und einem internationalen Management-Team sucht Partner um das Potential des indischen Marktes stärker nutzen zu können.
Projekt 158993c

 

Indischer Lebensmittelhersteller und –distributor mit knapp 200 Mio. € Umsatz sucht strategischen Partner zwecks Aufbau eines Joint Ventures im Bereich Pasta in Indien.
Projekt 158993

 

Österreichischer Hersteller von Knödeln, Frittaten usw. sucht Übernehmer. Umsatz: ca. 10 Mio. €, überdurchschnittlicher Gewinn.
Projekt 65073

 

Indischer Hersteller und Vermarkter von Nahrungsmitteln (v.a. Saucen, Gurken, Marmeladen) mit zwei Produktionsstandorten und einem Umsatz von rund 25 Mio. € und einer EBITDA-Marge von etwa 7% sucht einen strategischen Investor oder JV Partner.
Projekt 172946s


Tipps & Tricks:
Seed Capital


Unter dem Begriff Seed Capital (auch „seed financing“ oder „seed money“ genannt) versteht man ein Finanzierungsinstrument, das bei neu entstandenen, innovativen, kleinen bis mittleren Unternehmen eingesetzt wird („early stage financing“). Diese Unternehmen leiden angesichts der frühen Entwicklungsphase unter Kapitalmangel. Sie verfügen in aller Regel nur über eingeschränkte Möglichkeiten für den Erhalt eines Bankkredites. Seed Capital ist also die Bezeichnung für Beteiligungskapital, das einem zukünftigen Unternehmen in einer Phase zufließt, in der es noch als "Geschäftsidee" existiert.

Die jungen, in der Entwicklungsphase befindlichen Unternehmen benutzen das Seed Capital also zum Zwecke der Vorfinanzierung, z. B.

  • zum Bau und Verbesserung des Prototyps,
  • zur Durchführung in ersten Marktforschungen,
  • zur Bezahlung der Patentprozedur,
  • zur Vervollständigung des Managements.

Seed Kapitalgeber sind meist öffentlich-private Fonds (Informal equity), z. B. in Form sog. Business Angels.

Nach einer sorgfältigen Prüfung der Unternehmenslage, Risikoeinschätzung und der bestehenden Investitionschancen, kaufen die Fonds die Aktien oder Geschäftsanteile in dem ausgesuchten Zielunternehmen. Die Fonds bleiben nach der Seed Phase in den meisten Fällen als Minderheitsanteilseigner in der Gesellschaft. Sie überwachen die Investition während ihrer ganzen Laufzeit und können auch das Unternehmen in Lösung der Managementfragen beraten und unterstützen. Der Exit erfolgt durch Veräußerung der Aktien oder Geschäftsanteile an den Firmeneigentümern oder durch ein öffentliches Angebot (IPO – Börsenemission).

International beträgt die übliche Höhe des eingesetzten Seed Capital durchschnittlich 300.000 EURO. Die Laufzeit der Investition erstreckt sich zwischen 5 bis 10 Jahren.


 
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